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Predigt 29. August 2010
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Gott ist Liebe - 1. Johannes 4, 7-12

Pfr. Dr. Ulrich Zimmermann

Geliebte Gemeinde,
heute fängt die Predigt anders an, das haben Sie schon gemerkt. Die normale Anrede zu Beginn der Predigt heißt sonst „Liebe Gemeinde“ - heute habe ich Sie als „Geliebte Gemeinde“ angesprochen. Denn im ersten Johannesbrief, dem der Bibelabschnitt für die heutige Predigt entnommen ist, spricht Johannes die Leserinnen und Leser seines Briefes genauso an: „Geliebte!“ Und wenn sich beim Vorlesen des Predigttextes und beim Mitlesen an der Wand jemand gefragt hat: „Warum nimmt der Pfarrer denn heute schon wieder eine andere Bibelübersetzung?“ - dann ist genau das der Grund: Ich habe eine Übersetzung gesucht, die diese Anrede, wie sie im griechischen Originaltext steht, auch genauso wiedergibt, wie sie da steht: „Geliebte!“ Die Lutherbibel oder auch die neue Übersetzung von Roland Werner, die ich im Vorfeld der Allianz-Evangelisation im November zuletzt gerne verwendet habe, sie alle beginnen diesen Bibelabschnitt mit „Ihr Lieben!“ Aber das steht nicht da - Johannes schreibt: „Geliebte!“ Und es war mir wichtig, dass das genau so rüberkommt und dass Sie sich heute morgen genau so angesprochen fühlen: „Geliebte!“ Und zwar nicht in erster Linie, weil ich Sie so lieb habe. Ich mag Euch auch, das ist nicht das Thema. Aber der Briefschreiber Johannes möchte seinen Lesern ja vor allem sagen: „Ihr seid geliebt - von Gott!“ Und das ist das Wichtigste heute Morgen: Bevor wir in der Predigt über irgendetwas anderes nachdenken: Lass Dir zuallererst sagen: Du bist von Gott geliebt! Und wenn Du sonst von meinen Ausführungen nichts mehr mitbekommst - wenn Du nur das kapiert hast: „Du bist zuallererst ein von Gott geliebter Mensch“ - dann kannst Du eigentlich schon nach Hause gehen.

Gott liebt uns zuerst ...
Gott liebt uns zuerst - das ist das Wichtigste, was uns die Bibel hier im 1. Johannesbrief mitgibt. Bevor Du irgendetwas sagen oder tun kannst, hat Gott Dich schon längst geliebt. Bevor wir irgendetwas tun können, um uns Gottes Liebe zu verdienen, hat er uns schon längst geliebt.
Das können wir schon von Anfang an daran sehen, wie wir Menschen auf die Welt kommen. Durch Zeugung, Schwangerschaft und Geburt bekommen wir unser Leben geschenkt. Wir haben nichts dazu beigetragen. Und als neugeborenes Kind waren wir auch noch nicht in der Lage, für uns selbst zu sorgen und unser Leben selbst zu gestalten. Wir waren darauf angewiesen, dass unsere Eltern uns liebevoll umsorgt haben, unseren Hunger gestillt, uns gewaschen und gewickelt und in ein warmes Bett gelegt haben. Ich weiß: Leider ist das nicht allen Kindern vergönnt - die schlimmen Fälle, wo Kinder missbraucht, misshandelt und manchmal sogar von den eigenen Eltern oder Stiefeltern zu Tode gequält werden, erschüttern uns zutiefst. Aber dennoch zeigt uns selbst das, wie es eigentlich von unserem Schöpfer gedacht ist: Ohne Liebe kann kein Mensch leben. Und alle Eltern, die es gut mit ihren Kindern meinen, zeigen ihnen diese Liebe, wie Gott der Schöpfer sie ihnen ins Herz gelegt hat: Aus lauter Liebe geben sie ihren Kindern alles, was sie zum Leben brauchen. Und ihre Kinder erhalten die Liebe und das Leben einfach geschenkt, frei und bedingungslos - bevor sie irgendetwas dazu beitragen oder es sich verdienen können. Am Anfang unseres Lebens steht bedingungslos geschenkte Liebe, die uns der Schöpfer in die Wiege gelegt hat. Gott liebt uns zuerst. Schon daran sehen wir: Die Liebe und Fürsorge Gottes, der uns das Leben schenkt und erhält, geht uns immer voraus.
Und deshalb steht auch im heutigen Bibelabschnitt diese Zusage Gottes am Anfang: „Du bist geliebt!“  Johannes spricht die Leser seines Briefes zuerst als „Geliebte“ an.
„Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt ... hat“. Die Liebe kommt nicht von uns Menschen her. Wir Menschen können keine Liebe aus uns selbst hervorbringen. Und schon gar nicht geht die Liebe von uns aus in die Richtung Gottes. Wenn wir als Menschen lernen, zu lieben, dann ist das immer nur eine Antwort auf die Liebe, die wir in unserem Leben von Anfang an selbst empfangen haben. Und wenn wir Menschen Gott lieben, kann dies immer nur ein Reflex der Liebe Gottes zu uns sein. Wir können Gott nur zurücklieben, nachdem er uns zuerst geliebt hat. Nein, die Liebe fängt in der anderen Richtung an: Gott liebt uns zuerst.
Nehmen Sie sich also Zeit, sich das immer wieder von Gott sagen zu lassen - zum Beispiel wie heute in einem Gottesdienst. Gönne Dir Gelegenheiten, Dich von Gott lieben zu lassen - indem Du in der Bibel liest, diesem Liebesbrief Gottes an Dich. Oder indem Du still in einer Kirche oder zuhause sitzt und Dir ein Bild anschaust wie dieses, das ich auf meinem Schreibtisch stehen habe. Es ist von einem Kirchenfenster. Der Apostel Johannes, so heißt es in der Bibel, ruht sich aus an der Brust von Jesus - und lässt sich von ihm lieben.1 Wenn ich in meinem Büro viel Arbeit zu erledigen habe - ganz gleich, ob ich eine Predigt oder Religionsunterricht vorbereite oder ob ich Verwaltungsdinge erledigen muss -, dann kann ich dieses Bild anschauen und mich dadurch erinnern lassen: Zuallererst bin ich geliebt. Und diese Liebe Gottes, die er mir in Jesus zeigt, gibt mir dann Kraft für meinen Dienst. Gott liebt uns zuerst.



 
 
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